Sehenswürdigkeiten auf Gran Canaria: was sich lohnt und was Zeit kostet
Aktualisiert 6. September 2026 · 7 Min. Lesezeit
„Kontinent im Kleinen” ist eine Werbefloskel, die man auf jeder zweiten Insel hört. Auf Gran Canaria stimmt sie, und es gibt eine Zahl dafür: Die Insel ist rund fünfzig Kilometer breit, und in ihrer Mitte steht ein Gebirge von knapp 1.950 Metern. Ein Berg dieser Höhe auf so kleiner Fläche fängt die Passatwolken ab, bevor sie den Süden erreichen. Daraus folgt fast alles andere — ein grüner, oft bewölkter Norden, ein trockener, fast immer sonniger Süden und dazwischen eine Bergwelt, die mit beidem nichts gemein hat.
Für Reisende heißt das: Die Insel lässt sich nicht nebenbei ansehen. Wer im Süden wohnt und die Berge, Las Palmas und den Nordwesten sehen will, gibt dafür drei Tage her. Das ist keine schlechte Nachricht, sondern eine Planungsgröße.
Die Mitte: der eigentliche Grund, hierher zu kommen
Roque Nublo ist das Wahrzeichen der Insel — ein rund achtzig Meter hoher Felsklotz, der auf 1.813 Metern frei aus dem Bergrücken steht, Rest eines Vulkanschlots, um den herum alles andere abgetragen wurde. Der Weg vom Parkplatz hinauf ist kurz und nicht schwierig, aber steinig und ohne Schatten.
Pico de las Nieves ist mit knapp 1.950 Metern der höchste zugängliche Punkt. An klaren Tagen steht der Teide auf Teneriffa am Horizont, gut hundert Kilometer entfernt und trotzdem greifbar. An diesigen Tagen sieht man die eigene Hand und sonst nichts — das gehört zur Wahrheit über diesen Aussichtspunkt dazu.
Dazwischen liegen die Bergdörfer: Tejeda in einem Talkessel, Artenara als höchstgelegener Ort der Insel, Fataga an der Straße aus dem Süden. Und der Barranco de Guayadeque, eine Schlucht mit Höhlenwohnungen, die zum Teil bis heute bewohnt sind — samt Kirche und Lokalen im Fels. Seit 2019 gehört die Kulturlandschaft rund um Risco Caído in diesem Gebiet zum UNESCO-Welterbe; der Westen der Insel ist seit 2005 Biosphärenreservat.
Die Tagestouren ins Inselinnere sind entsprechend lang: 7,5 bis 8,5 Stunden für 46 bis 48 €, die geführte Gipfelwanderung 70 € bei 9 Stunden — sie ist mit 4,9 Sternen aus 364 Bewertungen eines der bestbewerteten Angebote der Insel. Wer selbst fährt, sollte wissen, dass die Straßen eng, kurvig und stellenweise ohne Leitplanke sind. Mit kleinen Kindern ist das die falsche Unternehmung; warum, steht in Gran Canaria mit Kleinkind.
Las Palmas: die einzige richtige Stadt
Las Palmas wurde 1478 gegründet, im Jahr, in dem die kastilische Eroberung der Insel begann. Der historische Kern Vegueta ist ein Viertel aus Kopfsteinpflaster, Innenhöfen und Holzbalkonen, mit der Kathedrale Santa Ana und dem Casa de Colón — Kolumbus machte 1492 auf dem Weg nach Westen hier Station. Ein geführter Rundgang durch Vegueta kostet 9 € und dauert eine Stunde; er ist das billigste Angebot der ganzen Insel und wird ausdrücklich nur auf Englisch geführt.
Am anderen Ende der Stadt liegt Playa de Las Canteras, ein Stadtstrand von rund drei Kilometern Länge, der durch ein vorgelagertes Felsriff — La Barra — vor der Atlantikdünung geschützt wird. Dahinter liegt ruhiges Wasser, davor wird gesurft. Ein Schnorchelausflug an Las Canteras kostet 39 €.
Und das Aquarium Poema del Mar ist mit 4.464 Bewertungen bei 4,8 Sternen das am besten bewertete große Ziel der Insel, Ticket ohne Anstehen 29 €. Die Hop-on-Hop-off-Bustour durch die Stadt kostet 25 € und kommt bei 1.002 Bewertungen auf 3,7 Sterne — der schwächste Wert unter allen vielgebuchten Angeboten hier. Das ist ein Hinweis, kein Urteil, aber er steht in den Zahlen.
Der grüne Norden und der Nordwesten
Hinter dem Gebirge wird die Insel eine andere. Teror mit der Basilika Nuestra Señora del Pino ist der Wallfahrtsort der Insel und hat einen Markt, der über die Insel hinaus bekannt ist; eine geführte Marktfahrt nach Teror und San Mateo kostet 33 € und dauert 6 Stunden. Arucas und Firgas liegen auf derselben Route — eine Rundfahrt ab dem Süden gibt es für 52 €.
Der eigentliche Sonderfall ist das Agaete-Tal im Nordwesten: eines der ganz wenigen Anbaugebiete für Kaffee in Europa. Eine Führung mit Verkostung auf einer Finca dort kostet 16 €. Von Agaete fährt außerdem die Fähre nach Teneriffa, 80 Minuten für 55 €.
Das Wasser: der Süden hat die Boote
Fast alles, was auf dem Meer stattfindet, startet an der Südwestküste — zwischen Puerto Rico, Arguineguín und Puerto de Mogán liegt der Windschatten der Insel. Die Wal- und Delfinbeobachtung gibt es dort ganzjährig ab 30 €, Katamaranfahrten mit Badestopp ab 38 €, das U-Boot in Puerto de Mogán für 38 €. Ehrlich dazu: Delfine sind wild, und keine Fahrt garantiert eine Sichtung.
Welcher der acht Orte im Süden zu wem passt, wo welches Boot ablegt und was die kurzen Wege dort wert sind, steht ausführlich in Der Süden von Gran Canaria. Die Dünen von Maspalomas — seit 1987 geschützt, mit dem Leuchtturm von 1890 am westlichen Ende — sind das bekannteste Landschaftsbild der Insel und liegen ebenfalls dort.
Was diese Insel nicht hat
Sie hat keine Meereshöhlen im Stil der portugiesischen Algarve, keinen Wasserpark im buchbaren Bestand und keinen Ort, an dem alles auf einmal liegt. Wer im Süden wohnt, hat Sonne und Boote, aber weder Altstadt noch Grün. Wer in Las Palmas wohnt, hat Stadt und Strand, aber öfter Wolken und eine Stunde Weg zu den Bootsablegern.
Und die berühmte Bergstraße ist für manche Menschen genau das Problem: Serpentinen über Stunden. Wer dazu neigt, plant den Bergtag nicht als Bustour, sondern mit eigenem Auto und Pausen.
Wolken, Staub und Sicht
Die Aussicht ist auf dieser Insel keine Selbstverständlichkeit, sondern Glückssache — und man kann die Chancen verbessern. Die Passatwolken stauen sich an der Nordflanke des Gebirges und ziehen meist unterhalb der höchsten Punkte durch. Genau daraus entsteht das Bild, für das die Leute hierherfahren: Man steht oben in der Sonne und sieht auf eine geschlossene weiße Decke hinunter, aus der in der Ferne der Teide ragt. Dieselbe Wolkendecke bedeutet allerdings für Las Palmas an vielen Tagen grauen Himmel.
Der Gegenspieler ist die calima, Saharastaub in der Luft. Sie kommt ein paar Mal im Jahr, macht die Luft diesig und drückend heiß und nimmt jede Fernsicht. Wer an einem solchen Tag hinauffährt, sieht den Felsen vor sich und sonst nichts. Klar wird es meist nach ein, zwei Tagen mit kräftigem Nordwind.
Selbst fahren oder geführt
Beides funktioniert, und die Entscheidung fällt nicht am Preis. Eine geführte Bergtour kostet 46 bis 48 € und nimmt einem die Straße ab; dafür steht man dort, wo der Bus hält, und so lange, wie der Fahrplan es vorsieht. Wer selbst fährt, ist beweglicher, muss sich aber auf enge Kurven über längere Strecken einstellen.
Ein Punkt, der bei geführten Touren oft übersehen wird: Frag nach, wie lange die Abholrunde durch die Hotels dauert. Sie ist in der angegebenen Gesamtdauer enthalten, und sie kann den Unterschied zwischen einem angenehmen und einem sehr langen Tag ausmachen.
Wie man es zusammensetzt
Der Flughafen liegt an der Ostküste, ungefähr in der Mitte zwischen Las Palmas und dem Süden; die Autobahn GC-1 verbindet beides in knapp einer Stunde. Aus dem Bestand von 231 Angeboten — ab 9 €, im Mittel 65 € — lässt sich eine Woche gut bestücken, wenn man sich an eine einfache Regel hält: höchstens ein langer Tag pro drei Tagen.
Für Familien gilt das doppelt. Was in welchem Alter trägt, steht in Gran Canaria mit Kindern, für die Jüngsten in Gran Canaria mit Baby, und was auf dem Wasser zu klären ist, bevor gebucht wird, in Bootstour mit Kindern: ab welchem Alter?.
Wer nur eine Sache mitnimmt: Fahr an einem klaren Tag hinauf. Die Küste gibt es auch anderswo, den Blick vom Roque Nublo über ein Wolkenmeer, aus dem der Teide ragt, nicht.